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mehr als wohnen

Dialogweg 7, 2015

Bild von Ursula Meisser

Architektur

Architekturböro Miroslav Šik, Zürich

Nutzung

1 Wohnung mit 9 1/2 Zimmern;
22 Wohnungen mit 3 1/2 Zimmern;
12 Wohnungen mit 2 1/2 Zimmern;
Tanz- und Yogastudio; Nagelstudio; Kinderkrippe; 2 Allmendräume 

Das Stadthaus

«Ich könnte auch am Schaffhauserplatz stehen», gibt das Haus zu verstehen. Es ist das zürcherischste und zugleich stattlichste Gebäude am Platz. Dennoch erkennt man seine Verwandtschaft zum südlichen Nachbarn. Wie bei den beiden weiteren Gebäuden des Architekten Miroslav Šik sind die Elemente der Fassade klar: französische Fenster, einfache Metallgeländer, Eckloggien. Das Haus sitzt auf einem Sockel aus präzisen Betonelementen, schwingt elegant um die runden Ecken und springt nach oben zurück, um die Fluchtlinien des Platzes aufzunehmen. Auf den Loggien flattern Vorhänge, die das Sonnenlicht filtern. Der helle Blauton der Putzfassade spricht mit dem benachbarten Haus an der Hagenholzstrasse. Anders als dort springen die Fenster nicht hin und her, sondern stehen geordnet übereinander. Das Ensemble aus den Häusern Dialogweg 3, 6 und 7 zeigt die ‹Vielfalt in der Einheit›, die der Masterplan beschwört, am deutlichsten. Ein Flur sticht im Erdgeschoss längs durch den Bau und unterteilt es in Gewerbeflächen zum Hunzikerplatz und Wohnungen an der Rückseite. Die 34 Wohnungen mit 2½ bis 3½ Zimmern eignen sich für Einzelpersonen und Paare. Trotz der Kleinteiligkeit erschliesst das T-förmige Treppenhaus die Wohnungen grosszügig – eine Art Laubengang im Inneren. Vier Oberlichter erhellen den Flur, den die gelben Metallgeländer farblich rahmen. Die Waschküchen auf jedem Geschoss ersparen den Bewohnern den Gang in den Keller. Über ein Entree gelangt man zum Wohn-Esszimmer, das jeweils an den Gebäudeecken liegt, um den kompakten Grundriss lichter zu machen. Eine Flügeltür im Arbeitszimmer erlaubt gar einen Hauch grossbürgerliche Opulenz: Auch wenn man nur in zwei Zimmern haust, kann man in seiner Wohnung im Kreis gehen. Die Wände sind in einem dezenten Farbton gestrichen – eine einfache Weise, Individualität in die Wohnungen zu tragen, trotz Einheitslösungen in Küche und Bad. Wie auch aussen schreit die Farbgebung aber nicht nach Experiment, sondern sucht die Ruhe der Tradition. Die Erfindung liegt im Grundriss. Diese Gelassenheit überzeugt, denn auch in der Architektur gilt: Man muss nur neu erfinden, wo es Neues zu entdecken gibt. (Text: Hochparterre 07/15 AH)

Bilder: Ursula Meisser / Karin Gauch, Fabien Schwartz / Baugenossenschaft mehr als wohnen