mehr als wohnen

mehr als Aussenraum

Schon in der Planung war der Aussenraum im Hunziker Areal von besonderer Bedeutung. Im Dialogprozess arbeiteten Architekt*innen und Landschaftsarchitekt*innen partnerschaftlich und auf Augenhöhe. Die Raumgestaltung von Müller Illien ist durchlässig und barrierearm. Sie vermittelt Offenheit und Öffentlichkeit. Neuartig an ihrem Konzept ist, dass Freiräume für Gemeinschaft und Aneignungsmöglichkeiten programmatisch sind.

Eva Linder

Das Konzept ist urban und setzt gleichzeitig auf standortgerechte, artenreiche und einheimische Begrünung. Es wachsen Obstbäume mit essbaren Früchten aber auch Ahorn, Eiche und Zitterpappel. Zwei Gemeinschaftsgärten wurden als Allmenden angelegt. Auf der geteerten Erschliessungsstrasse gilt Tempo 20 und Vortritt für Langsamverkehr. Geteert sind auch die Oberflächen um die Häuser. Daneben gibt es viele chaussierte Flächen und Schotterrasen, auf welchem Spontanvegetation und Pionierpflanzen gedeihen.

Der städtische Andreaspark, bildet eine Langsamverkehrsachse zum Bahnhof Oerlikon. Er umfasst mit einem Spielplatz und einer Magerwiese auch ein Teil des Hunziker Areals. Dessen Herzstück ist aber der Hunzikerplatz. Er ist als öffentlicher Platz gestaltet und umsäumt von Restaurants, Kleingewerben, Seminar- und Allmendräumen. Auch die Réception vom Gästehaus und der Genossenschaft ist auf den Quartierplatz ausgerichtet. Der chaussierte Platz ist nur minimalistisch gestaltet, denn am Hunzikerfest braucht es Platz für Konzerte und Festzelte. Der Brunnen ist an heissen Tagen ein Anziehungspunkt insbesondere für Kinder. Mehrere Ahornbäume wachsen heran als Schattenspender. Weitere kleine Plätze gestalten die Zwischenräume. Der namenlose Platz mit dem Zugang zur Tiefgarage ist gepflastert mit Erinnerungen der industriellen Vergangenheit dieses Ortes, den Zementplatten aus der ehemaligen Hunziker AG. Im Ostteil des Areals befindet sich ein wiederaufgeforstetes Wäldchen, ein weiterer Spielplatz und auf der übriggebliebenen Brache wurde ein Robinsonspielplatz angelegt.

Partizipative Aussenraumgestaltung

2016 starteten wir einen partizipativen Prozess mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Wir thematisierten das Hunziker Areal als Ganzes und legten Raum für Ruhe, für Spiel und Sport, für Begegnung und Natur fest. Seither wurden etliche Projekte im Aussenraum realisiert. Wir schafften eine passende Möblierung und verschiedene Spielgeräte an. In den Gemeinschaftsgärten ist eine blühende Zusammenarbeit aufgebaut worden. Die Verkehrsführung und Parkierungsordnung überarbeiteten wir an Runden Tischen. 2018 durften wir den neuen Spielplatz einweihen, welcher unter Mitwirkung von Kindern und Erwachsenen geplant wurde. An jährlich stattfindenen Workshops wird die Aussenraumentwicklung stetig weitergeführt.

Neugestaltung Parkplatzbrache und Entsiegelung von Asphalt

Zwischen Genossenschaftsstrasse 18 und dem Schulgelände bestanden bis 2017 Parkplätze für Besucher*innen. Das Nebeneinander von Parkplätzen und Spielbereichen war konfliktgeladen. Die Lösung des Konfliktes lag in der Verschiebung der Besucher*innenparkplätze in die Tiefgarage. Auf der freigewordenen Fläche legten wir Ende 2017 temporäre Hügelbeete an, während wir den Partizipationsprozess für die Neugestaltung starteten. Eine Arbeitsgruppe entwarf einen konkreten Projektplan. Dieser sieht eine kleine, naturnahe Parkanlage vor, in welcher auch Raum für Begegnung entsteht. Den Plan präsentierte die AG am Aussenraumworkshop 2019 im vollen Seminarraum. Die Teilnehmenden brachten Anpassungswünsche an und gaben „Grünes Licht“ für die Umsetzung.

Die Neugestaltung der Parkplatzbrache gab den Anstoss für die Umsetzung weiterer Begrünungsmassnahmen. Im östlichen Arealteil werden 450 Quadratmeter Asphalt aufgehoben und durch einen Mergelbelag ersetzt. Ziel ist es, mit neu begrünten Flächen einen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt zu leisten und die sommerliche Hitze zu reduzieren. Die Umsetzung wird durch die Forschungsgruppe Pflanzenverwendung der ZHAW koordiniert. Die Arbeiten beginnen am 26. Oktober 2020. Mitte Dezember 2020 wird das Projekt fertiggestellt.

Der Plan kann hier als pdf heruntergeladen werden. Der Plan ist schematisch und kann von der gebauten Realität leicht abweichen, beispielsweise in der Linienführung der Trockenmauern. 

Forschung und Innovation mit klimaregulierender Vegetation

Schutz vor sommerlicher Hitze, Artenvielfalt und soziale Qualität werden in den laufenden Aussenraumentwicklungen gleichzeitig adressiert. Konkret prüfen wir jetzt, ob es möglich ist, eine Fassadenbegrünung zu installieren, eine Pergola zu bauen, eine Baumreihe zu pflanzen, in einem Haus die Balkonbepflanzung zu optimieren und einen bewachsenen Baldachin zu bauen. Die Wirkung der Massnahmen soll gemessen und dokumentiert werden.

2019 erfuhren wir, dass sich das Hunziker Areal in einer besonderen klimatischen Lage befindet. Am Leutschenbach staut sich die Hitze und es bildet sich hier eine von zwei Stadtzürcher Hitzeinseln. Die Temperaturen sind durchschnittlich 2-3°C höher als an anderen Orten in der Stadt. Die energiesparenden Häuser im Hunziker Areal sind darauf ausgelegt, wenig Heizenergie zu verbrauchen und Wärme zu speichern. Die immer wärmer werdenden Sommer werden dadurch zur Herausforderung!

Die Hitze auf dem Hunziker Areal und die folgende Auseinandersetzung mit unserem neuen Bau- und Wohnprojekt Hobelwerk in Oberwinterthur hat uns dazu bewegt, uns vermehrt mit klimaregulierenden Massnahmen auseinander zu setzen. So können wir den Effekt von Begrünungsmassnahmen bei Bestandsbauten und Neubauten vergleichen.

Zusammenarbeit

Die Forschungsgruppe Pflanzenverwendung der ZHAW besitzt langjährige Erfahrung in der Planung, Umsetzung, Vermittlung und Erforschung nachhaltiger Bepflanzungen. Sie befasst sich primär mit dem Einsatz von Pflanzen zur Aufwertung urbaner Gebiete. Über verschiedene Projekte, wie beispielsweise den sozialintegrativen Gemeinschaftsgarten, ist sie seit über 10 Jahre mit dem Hunziker Areal vertraut. Zudem schlägt die Gruppe die Brücke zur Ausbildung. Die angewandte Projektarbeit im Modul «Vegetationssysteme», findet auf dem Hunziker Areal statt, wobei von Studierenden unter Anleitung verschiedener Dozierenden Daten erhoben und analysiert werden.