mehr als wohnen

Hagenholzstrasse 106, 2015

Architektur

Futurafrosch, Zürich

Nutzung

1 Wohnung mit 7 1/2 Zimmern;
6 Wohnungen mit 5 1/2 Zimmern;
11 Wohnungen mit 4 1/2 Zimmern;
6 Wohnungen mit 3 1/2 Zimmern;
5 Wohnungen mit 2 1/2 Zimmern;
6 Arbeitszimmer;
Coiffeursalon; Make-Up-Akademie; 3 Allmendräume

 

Der Schrebergarten

Dieses Haus hat zwei Seiten. Während die meisten anderen homogen gestaltet sind, dominiert hier der Gegensatz. Zum einen ist da die Nordseite mit ihrer Fassade zur lauten Hagenholzstrasse, zur Stadt, zur Öffentlichkeit. Zum anderen die Südseite, die sich zum Inneren des Quartiers und zur Gemeinschaft wendet. Auch im Erdgeschoss wird die Zweiteilung deutlich: gegen die Hagenholzstrasse Gewerbe wie ein Coiffeursalon, gegen das Innere ein ‹Allmendraum› für die Gemeinschaft. Einen Teil des Erdgeschosses nimmt die Zufahrt zur zentralen Tiefgarage ein. Darüber liegen auf sechs Etagen 29 Wohnungen mit 2½ bis 5½ Zimmern. Sie teilen sich in drei Raumschichten: Im Norden liegen die Schlafzimmer, im Süden die Wohnräume, dazwischen die Nassräume und Küchen. Wie jedes Haus im Hunziker Areal hat auch dieses seine spezielle Aufgabe: Es ist das ‹Budgethaus›. Kleine, preiswerte Wohnungen in einem ökonomischen Massivbau mit Aussendämmung halten die Mietkosten gering. Einen Luxus wollte die Genossenschaft der Mieterschaft dennoch bieten: Nach Süden öffnen sich ihre Wohnungen mit zwei Geschosse hohen, zueinander versetzten Balkonen. ‹Vertikale Schrebergärten› nennen die Architektinnen von Futurafrosch die vorgelagerte Konstruktion aus Betonelementen. Anders als traditionelle Balkone sind sie keine privaten Rückzugsorte. Im Gegenteil: Sie sollen die Nachbarschaftlichkeit fördern. Wie Nachbarn über den Zaun tauscht man sich hier von Balkon zu Balkon aus. Die Balkonschicht ist auch ein städtebauliches Element. Sie zeichnet die Mantellinien des Masterplans nach. Wie eine vierte Schicht schieben sich die Balkone zwischen Wohnraum und Quartier. Auch einen energetischen Nutzen haben die Balkone: Bei hochstehender Sommersonne sorgen sie für Schatten, im Winter lassen sie tiefes Licht in die Wohnräume. Die Eckwohnungen bieten mit ihren einfachen Loggien eher eine Rückzugsmöglichkeit. Für die drei mittleren Wohnungen des ersten Obergeschosses ist das Gemeinschaftsgefühl dafür umso intensiver: Sie teilen sich eine grosse Terrasse. Statt einer gemeinsamen Erschliessungshalle hat das Haus zwei Haupteingänge zu zwei Treppenhäusern, die über einen Korridor im Parterre verbunden sind. Die Gemeinschaft soll sich zwischen den Balkonen finden. Ob das funktionieren wird, hängt nicht zuletzt vom Bedürfnis der Bewohnerinnen und Bewohner ab. (Text: Hochparterre 07/15, JH)

Bilder: Ursula Meisser / Karin Gauch, Fabien Schwartz / Baugenossenschaft mehr als wohnen