mehr als wohnen

Dialogweg 6, 2015

Bild von Ursula Meisser

Architektur

Duplex Architekten, Zürich

Nutzung

6 Satellitenwohnungen mit 10 1/2 Zimmern;
5 Satellitenwohnungen mit 12 1/2 Zimmern;
Beschäftigungsateliers; Galerie

Die Innenstadt

Beim Kochen geht der Blick aus dem Fenster vorbei an roten Lampions. Er streift den Sichtbeton im Treppenhaus, erhascht einen vorbeiziehenden Ankömmling und schaut über die Holztruhe der Nachbarn durch ein fremdes Fenster hinaus ins Freie. Wie das möglich ist? Durch eine Art inneren Städtebau. Wie Häuser stehen die privaten Zimmer im gemeinschaftlichen Raum. Dieser ist mal geweitet und offen, mal verdichtet und geschlossen. Das Haus steht nicht nur prominent am Hunzikerplatz. Mit seinen Grundrissen zoomt eines der beiden Masterplanteams auch das städtebauliche Prinzip des Areals in den Gebäudemassstab. Die Cluster öffnen sich mit raumhohen Fenstern sowohl nach innen, zum Treppenhaus, als auch nach aussen. Mit der Hausgemeinschaft suchen sie ebenso den Kontakt wie mit dem Quartier. 320 respektive 400 Quadratmeter gross sind die elf Satelliten- oder Clusterwohnungen. Man könnte sie als gehobene Wohngemeinschaften bezeichnen. Fünf oder sechs unterschiedliche Clustereinheiten gehören zum grossen Gemeinschaftsraum. Sieben bis zwölf Personen können hier wohnen. Jede Wohneinheit hat eine eigene Nasszelle, eine Teeküche und einen kleinen Privatbalkon als Gegenpart zur grossen Gemeinschaftsloggia. Lage und Grösse der Einheiten wiederholen sich auf allen Geschossen und helfen so, die statischen und gebäudetechnischen Anforderungen zu lösen. Eine Mischung aus gemeinschaftlichem Miteinander und privater Zurückgezogenheit prägt das Haus. Wer hier wohnt? Junge Erwachsene, die das WG-Leben satthaben, aber auch nicht alleine wohnen wollen. Patchworkfamilien, die Unterstützung schätzen. Ehemalige Hausbesetzer, die nun dieses Haus besetzen. Auch betreutes Wohnen ist integriert: Im Erdgeschoss, neben der Werkstatt von Züriwerk und einem kleinen Ausstellungsraum, wohnt eine Gruppe Jugendlicher. Im ersten Obergeschoss werden Bewohnende mit Behinderung teilzeitlich betreut. Die zentrale Treppenhalle ist das Herz dieses Clusterhauses. Die Gemeinschaftsräume der Wohnungen verbinden sich hier über die Fenster und den Bodenbelag. Zusätzlich fördern auf jedem Geschoss Waschküchen und Trockenräume den Austausch. Nach aussen zeigt sich das besondere Innere des Hauses erst auf den zweiten Blick. Die grossen Verglasungen der Gemeinschaftsräume wechseln in den Privaträumen zu französischen Fenstern mit Klappläden. Die Fassade ist aus Einsteinmauerwerk, das ohne zusätzliche Isolierung auskommt. Ein dicker Waschputz gibt dem Haus eine sandige Farbe und lässt das Haus natürlich altern. (Von mehr als wohnen angepasste Texte aus Hochparterre 07/15, JH)

Bilder: Ursula Meisser / Michael Egloff / Walter Mair / Baugenossenschaft mehr als wohnen